Milton Friedman: Der Krieg gegen Drogen als sozialistisches Unternehmen

Aus: Friedman & Szasz on Liberty and Drugs, edited and with a Preface by Arnold S. Trebach and Kevin B. Zeese. Washington, D.C.: The Drug Policy Foundation, 1992.

Kapitel 7

Dieses Kapitel ist aus Prof. Friedmans Grundsatzrede von der 5. Internationalen Konferenz zur Reform der Drogenpolitik in Washington D.C., vom 16. November 1991


Im Jahr 1972, vor fast 20 Jahren, begann Präsident Nixon einen Krieg gegen Drogen – die erste intensive Bemühung, das Verbot von Drogen durchzusetzen seit dem ursprünglichen Harrison-Act. Zur Vorbereitung auf dieses Gespräch heute habe ich die Kolumne wieder gelesen, die ich in Newsweek publizierte, in der ich seine Handlung kritisierte. Nur sehr wenige Wörter in dieser Kolumne müssten verändert werden, um sie heute zu veröffentlichen. Das Problem war damals hauptsächlich Heroin und die Hauptquelle für des Heroins war Marseilles. Heute ist das Problem Kokain aus Lateinamerika. Abgesehen davon hat sich nichts geändert.

Nun sind wir fast zwanzig Jahre weiter. Was damals Prognosen waren sind nun beobachtbare Ergebnisse. Wie ich in der Kolumne vorhergesagt habe, vor allem auf der Grundlage unserer Erfahrung mit Prohibition, hat die Drogenprohibition nicht merkbar die Anzahl der Drogenabhängigen reduziert, wenn überhaupt, aber förderte Verbrechen und Korruption.

Wie kommt es, dass die einzig beobachtbare Wirkung auf die Politik die Umwandlung von Prognosen in Ergebnisse war, dass sich die Regierung tiefer und tiefer in ein immer größeres Loch gräbt und immer mehr und mehr von ihrem und meinem Geld ausgibt, um Schaden anzurichten? Warum? Das ist sowohl das am meisten entmutigende Merkmal unserer Erfahrung und auch das interessanteste intellektuelle Rätsel. In unserem Privatleben, wenn wir etwas versuchen und es schiefgeht, dann machen wir nicht einfach weiter und weiter und zwar in einem größeren Maßstab. Wir könnten es für eine Weile tun, aber früher oder später hören wir damit auf und ändern uns. Warum geschieht nicht die gleiche Sache mit der Politik von Regierungen?

Es hat wenig Sinn, die Legalisierung von Drogen vor dieser Gruppe in Detail zu diskutieren. Jeder in diesem Raum weiß es. Ihr hattet zahlreiche Workshops mit Diskussionen von Menschen, die mit den Details mehr vertraut sind als ich. Ich möchte lieber das Rätsel untersuchen, das ich aufgeworfen habe. Und dabei werde ich auf ein Sprichwort zurückgreifen, welches von Bardett bis zum Jahr 325 v.Chr. zurückverfolgt wird: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“

Meine Leiste ist die Wirtschaft, das Studium, wie die Gesellschaft ihre begrenzten Ressourcen organisiert, um die vielfältigen und verschiedenen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen. Grundsätzlich können die Ressourcen der Gesellschaft nur auf zwei verschiedene Arten organisiert werden, oder durch eine Mischung aus beiden.

Eine Möglichkeit ist durch Marktmechanismen: von unten nach oben. Der andere Weg ist durch Befehle: von oben nach unten. Der Markt ist ein Mechanismus. Autoritäre Organisation – das Militär ist ein klares Beispiel – ist der andere. Der General gibt den Befehl, der Oberst gibt ihn an den Kapitän weiter und so weiter die Befehlskette nach unten. Auf dem Markt kommen die Befehle aus der anderen Richtung. Der Konsument geht in einen Laden und gibt den Auftrag und der Auftrag geht nach oben. Diese zwei Mechanismen haben sehr verschiedene Charakteristiken und sind geeignet, um sehr unterschiedliche Probleme zu behandeln.

Einige Elemente beider Mechanismen sind in jeder Gesellschaft notwendig. Und jede Gesellschaft hat eine gewisse Mischung aus beiden. Wir kennen die Extremfälle, in denen Autoritarismus überwiegt, und wir wissen, was in diesen Extremfällen passiert ist, vor allem seit dem Fall der Berliner Mauer. Aber wir haben auch große Elemente beider Mechanismen in unserer eigenen Gesellschaft.

Während der vielen Jahre, in denen ich mich mit der Erörterung der Drogenfrage beschäftigt habe – ich möchte betonen, dass das nicht meine Hauptbeschäftigung ist; es ist eine Nebenbeschäftigung – beeindruckten mich zwei Dinge. Erstens, die meiste Literatur, die ich über Drogen gelesen habe, geht davon aus, dass das Drogenproblem ein spezieller Fall wäre, der in Bezugnahme auf spezifische Probleme mit Drogen zu diskutieren wäre – die involvierten Substanzen und so weiter, anstatt ihn als Sonderfall eines allgemeineren Phänomens zu sehen. Es wird als gegeben angesehen, dass das Drogenproblem in Hinblick auf die eigenen Werte diskutiert werden muss und es ein umfangreiches Wissen über die Details erfordert.

Aus meiner Sicht ist das so, wie wenn jemand das Problem des Stehlens in Bezug auf das gestohlene Objekt diskutieren will. Der Diebstahl von Automobilen ist also ein Problem. Der Diebstahl von Handtaschen ist ein weiteres. In der gleichen Weise behandeln Menschen das Verbot von Drogen so, wie wenn es von sich aus ein Problem wäre.

Zweitens, eine Konsequenz der Herangehensweise an das Drogenproblem ist, dass viele Gegner des Drogenkrieges Alternativen vorschlagen, die genauso schlimm wären. Sie glauben, dass nicht der verwendete Basismechanismus das Problem ist, sondern lediglich, dass es die Regierung nicht richtig gemacht hat. Die meisten dieser Alternativen würden bedeuten, von der Bratpfanne zum Feuer zu gehen.

Solche Reformer glauben, dass wenn sie das Gesetz schreiben könnten, dann würde das Gesetz auf die Weise durchgesetzt werden, wie sie es geschrieben haben. Das ist eine Illusion. Was mit einem Gesetz passiert, hat im Allgemeinen wenig mit den Intentionen jener Menschen zu tun, die es geschrieben haben. Die Leute, die das Drogengesetz geschrieben haben, hatten nicht die Absicht, dabei 100.000e Menschen umzubringen. Sie hatten nicht die Absicht ein System aufzubauen, in dem Häftlinge und Gefängnisse wie verrückt aus dem Boden schießen. Im Allgemeinen sind die tatsächlichen Auswirkungen eines Gesetzes oft, wenn nicht in der Regel, das Gegenteil der Absichten der Menschen, die es geschrieben haben, ein Phänomen, dass der Kongressabgeordnete Richard Anncy [R-Texas] in einer früheren Gestalt, als er noch ein einfacher Professor war, den „unsichtbaren Fuß der Regierung“ genannt hat.

Lasst mich das mit ein paar Zitaten aus Briefen, die ich erhalten habe, veranschaulichen. Erstens: „Anstatt Drogen nur zu dekriminalisieren, lasst uns sie von der Regierung gratis für jeden Konsumenten zur Verfügung stellen.“ Das würde natürlich den Gewinn aus dem Geschäft nehmen. Die Idee dahinter ist, dass wir Drogen als kostenlose Güter ansehen sollen. Es gibt aber keine kostenlosen Güter; Es gibt nichts umsonst. Es ist nicht kostenlos; jemand müsste dafür bezahlen. Also, wir sollten den Steuerzahler zur Kasse bitten, um Leute zu subventionieren, die Drogen nehmen! Was noch wichtiger ist, es scheint offensichtlich, dass wenn diese „kostenlosen“ Drogen wirklich verfügbar wären, dann würden sie in Europa oder sonstwo verteilt werden, wo ein zahlender Markt besteht.

Wie kann man die nachgefragte Menge von kostenlosen Drogen beschränken? Der einzige Weg, das zu tun, ist strenge Regeln für die Verteilung einzuführen. Das führt zu einem autoritären System, welches bestimmt, wer die Drogen bekommt und wieviel – was genauso offen für Missbrauch und Korruption ist, wie unser gegenwärtiges System.

Zweitens – ich schwöre bei Gott, das sind wirklich Zitate, die ich bekommen habe, ich habe sie mir nicht ausgedacht – „Alle jetzt illegalen Drogen legalisieren und sie in staatlichen Läden verkaufen.“ Wir haben eine Menge Erfahrung mit staatlichen Läden aus dem Alkoholbereich. Der 21. Verfassungszusatz zur Aufhebung der Prohibitionsabänderung wiederholte nur die bundesweite Prohibition; den Bundesstaaten wurde die Wahl gelassen, alle Maßnahmen für die Kontrolle von Alkohol zu erlassen, die sie möchten. Tatsächlich heißt es im 21. Verfassungszusatz, dass der Transport von Alkohol von einem trockenen Staat in einen feuchten Staat als Bundesstraftat angesehen wird und von der Bundesregierung verhindert werden soll. Manche Staaten blieben trocken, zumindest für eine Weile; andere haben staatliche Spirituosenläden eingerichtet und wieder andere haben es dem Markt überlassen.

Die Leute, die sagen, dass Drogen nur in staatlichen Läden verteilt werden sollen, argumentieren, dass dies die Kontrolle der Abgabe an Minderjährige erleichtern würde, um sicherzugehen, dass Drogen nicht missbraucht werden und so weiter. War das die Wirkung von staatlichen Spirituosenläden? Kaum. Ich kenne den Staat New Hampshire am besten, weil wir dort eine Zweitwohnung hatten. Manche Geschäfte in New Hampshire befinden sich genau an der Grenze zu Massachusetts, um soviele Kunden aus Massachusetts anzuziehen wie möglich. Was beweist, dass staatliche Läden der Regierung einen Anreiz geben, den Alkoholkonsum zu fördern und nicht einzudämmen. Zusätzlich haben nun viele Bundesstaaten entdeckt, dass es ihnen mit den staatlichen Läden nicht so gut geht und es ist eine Bewegung entstanden, die sie verkaufen und privatisieren wollen. Nochmal, es ist eine dumme Idee.

Drittens: „Abschaffung der Kriminalität für den Gebrauch von Drogen; Schaffung eines Bundesmonopols für den Verkauf von Drogen.“ Das heißt, dass die Post die Verteilung von Drogen übernehmen wird.

Was haben diese Lösungen gemeinsam? Sie schlagen vor, ein Problem, welches durch den Sozialismus hervorgerufen wurde, durch mehr Sozialismus zu heilen. Es ist das Standardverfahren eines Alkoholikers: Mehr von dem, was dich krankmacht, um über den unvermeidlichen Kater zu kommen.

Das grundlegende Problem, mit dem wir uns konfrontiert sehen, ist nicht der Krieg gegen die Drogen – obwohl einige von uns daran am meisten interessiert sind. Der Krieg gegen die Drogen und die Schäden, die er anrichtet, sind einfach nur Manifestationen eines viel umfassenderen Problems: die Substitution von politischen Mechanismen mit Marktmechanismen in einer Vielzahl von Bereichen.

Um das zu veranschaulichen möchte ich über den Krieg gegen die Drogen hinausgehen. Wir alle wissen, dass der Krieg gegen die Drogen unsere Innenstädte zerstört. Wenn wir aber irgendjemanden von euch fragen, was der nächste wichtigste Faktor ist, der die Innenstädte zerstört, denke ich, dass viele von euch mir zustimmen würden, dass der nächste Hauptfaktor unser defektes Bildungssystem ist, die schrecklichen Schulen in unseren Innenstädten, Schulen, die einem nichts beibringen, sondern im Wesentlichen Einrichtungen sind, um Kinder für eine bestimmte Anzahl von Stunden eines Tages von der Straße zu holen.

Beide Fehler haben die gleiche Ursache. Der Krieg gegen die Drogen ist ein Fehler, weil er eine sozialistische Unternehmung ist. Unser Schulwesen verschlechtert sich, weil es eine sozialistische Unternehmung ist. Außer vielleicht dem Militär ist Bildung die größte sozialistische Unternehmung in den Vereinigten Staaten. Es gibt ein paar Schlupflöcher: Privatschulen, auf die die Eltern ihre Kinder schicken können, wenn sie es sich leisten können, oder, im Falle der kirchlichen Schulen, wenn sie bestimmte religiöse Ansichten haben. Jedoch sind 90% von allen Kindern in staatlichen Schulen. Und diese sozialistische Institution funktioniert genauso wie die meisten anderen sozialistischen Institutionen.

Es gibt einige allgemeine Merkmale von sozialistischen Unternehmungen, egal, ob es jetzt um die Post, um Schulen oder um den Krieg gegen Drogen geht. Die Unternehmung ist ineffizient, teuer, sehr vorteilhaft für eine kleine Gruppe von Menschen und schädlich für viele Menschen. Das galt für den Sozialismus in Russland, es galt für den Sozialismus in Polen, und es gilt für den Sozialismus in den Vereinigten Staaten.

Ihr alle kennt die berühmte unsichtbare Hand von Adam Smith, bei der Leute, die beabsichtigen, ihr eigenes Interesse zu fördern, von einer unsichtbaren Hand geführt werden um ein öffentliches Interesse zu fördern, von dem sie eigentlich nicht vorhatten, es zu fördern. Ich habe seit vielen Jahren argumentiert, dass eine Umkehrung dieser Maxime auch stimmt: Leute, die nur vorhaben, das öffentliche Interesse zu verfolgen, werden von einer unsichtbaren Hand geführt, um private Interessen zu verfolgen, von denen sie eigentlich nicht vorhatten, sie zu verfolgen. Dies ist der Fall in Bezug auf Drogen.

Wessen Interessen dient der Krieg gegen die Drogen? Die US-Regierung erzwingt ein Drogenkartell. Die Hauptbegünstigten der Drogenprohibition sind die Drogenbarone, die ein Kartell betreiben können, das sie ohne die gegenwärtige Politik nicht aufrechterhalten könnten.

Bei der Bildung ist eine wichtige Gruppe von Begünstigten durch das sozialisierte Bildungssystem Leute mit hohem Einkommen, die in wohlhabenden Vororten leben, die in der Lage sind, gute öffentliche Schulen zu haben. Diese staatlichen Schulen dienen ihnen als Steueroasen. Wenn sie ihre Kinder auf private Schulen schicken, sind die Studiengebühren die sie zahlen nicht abzugsfähig bei der Berechnung ihrer Einkommenssteuer; aber lokale Steuern sind abzugsfähig. Ein weiterer Begünstigter ist die Bildungsbürokratie, einschließlich der Beamten und Angestellten von Lehrergewerkschaften, sowie Politiker, die in der Lage sind, sich des Bildungssystems als eine Quelle der Schirmherrschaft zu bedienen.

Auf der anderen Seite wird einer großen Masse an Menschen durch die geringe und sinkende Qualität unseres Schulsystems großer Schaden zugefügt. Und die Leute, denen am meisten geschadet wird, sind die Leute, die in den Innenstädten leben. Sie wissen es. In Meinungsumfragen die Privatisierung des Schulsystems durch Bildungsgutscheine betreffend, die den Eltern die Wahlfreiheit geben, sind Schwarze die am meisten unterstützende Gruppe, wobei zwei Drittel oder mehr für das Gutscheinsystem sind. Und doch, mit der Ausnahme von Polly Williams aus Wisconsin, hat sich kein einziger wichtiger schwarzer politischer Führer für das Gutscheinsystem ausgesprochen!

Dies sind keineswegs die einzigen Beispiele. Geht die Liste durch mit unseren wichtigsten nationalen Sorgen, von denen die Kriminalität und die Gesetzlosigkeit, die von der Drogenprohibition hervorgebracht wurden, sicherlich eine ist und schlechte Leistungen von Schulen eine andere. Wir haben große Probleme in der medizinischen Versorgung. Die Gesamtkosten für die medizinische Versorgung sind in 40 Jahren von vier Prozent des Volkseinkommens auf 13 Prozent angestiegen. Warum? Wieder, weil die Regierung die medizinische Versorgung immer mehr sozialisiert hat und es gibt eine sehr starke Bewegung, die den ganzen Weg bis zu einer vollständigen Sozialisierung der medizinischen Versorgung gehen will. Vor allem als Folge einer größeren Beteiligung der Regierung sind die Kosten für einen Tag Krankenhausaufenthalt, die Kosten pro Patient pro Tag, 26x höher im Jahr 1989, nach Inflationsbereinigung, als sie es im Jahr 1946 waren.

Ein weiteres Beispiel ist der Wohnbau. Warum sieht die Bronx in New York so aus wie ein Kriegsgebiet, das gerade bombardiert wurde? Vor allem wegen der Mietkontrolle. Wieder ein Versuch der Regierung, die Wohnbau-Industrie zu sozialisieren. Wir hatten umfangreiche und kostspielige Wohnbauprogramme. Im Zuge dieser staatlichen Wohnbauprogramme wurden mehr Wohneinheiten zerstört als gebaut.

Ich fordere euch heraus irgendein wichtiges Problem in der Vereinigten Staaten zu finden, das man nicht auf den Missbrauch von politischen Mechanismen im Gegensatz zu Marktmechanismen zurückführen kann. Wenn man es vernünftig betrachtet sind die Vereinigten Staaten heute ein wenig mehr als 50 Prozent sozialistisch. Das heißt, mehr als 50 Prozent der Gesamtressourcen des Landes, des Gesamtaufwands, werden direkt oder indirekt von Regierungsinstitutionen auf allen Ebenen kontrolliert – auf Bundes-, Länder- und auf lokaler Ebene. Und doch besitzen wir in den Vereinigten Staaten den höchsten Lebensstandard der ganzen Welt. Wir sind ein sehr reiches und wohlhabendes Land. Es ist eine außergewöhnliche Hommage an die Produktivität der Marktwirtschaft, dass sie mit weniger als 50 Prozent der Ressourcen diese Art von Lebensstandard und diese Art von Gesellschaft hervorgebracht hat, die wir haben.

Ihr arbeitet vom 1. Jänner fast bis zum 30. Juni, oder vielleicht etwas länger, um für die direkten und indirekten Regierungskosten zu bezahlen. Welcher Bruchteil eures Wohlbefindens stammt aus diesen von der Regierung kontrollierten Ausgaben? Kommt es in die Nähe von 50 Prozent? Ich bezweifle sehr, dass viele von euch sagen würden, dass es so ist.

Die Frage, die mein Rätsel aufwirft, ist, warum private Unternehmen erfolgreich sind und Regierungsunternehmen nicht? Eine häufige Antwort ist, dass der Unterschied im Anreiz liegt, dass irgendwie der Anreiz des Gewinns stärker ist als der Anreiz des öffentlichen Dienstes. In gewissem Sinne ist das richtig; aber andererseits ist es falsch.

Die Leute, die unsere Privatunternehmen leiten und die Leute, die unsere Regierungsunternehmen leiten haben genau den gleichen Anreiz. In beiden Fällen wollen sie ihre privaten Interessen fördern. Die Leute, die in unsere Regierung gehen, die in unserer Regierung tätig sind, sind die gleiche Art von Menschen, die in der Privatwirtschaft sind. Sie sind im Allgemeinen genauso schlau. Sie besitzen genauso viel Integrität. Sie haben genauso viele altruistische und selbstlose Interessen. Auf dieser Ebene gibt es keinen Unterschied. Aber wie es Armen Alchian, ein Ökonom an der UCLA, einmal gesagt hat: „Die eine Sache, auf die man sich bei allen verlassen kann, ist, dass sie ihr Interesse über deines stellen.“ Das ist eine sehr interessante Bemerkung. Die Chinesen auf dem Festland sind nicht verschieden von den Menschen in Hong Kong. Und doch ist das Festland ein Morast von Armut und Hong Kong war eine Oase des relativen Wohlbefindens. Die Leute, die das besetzte West-Deutschland und Ost-Deutschland regierten, bevor sie wieder vereinigt wurden, hatten den gleichen Hintergrund, die gleiche Kultur. Sie waren die gleichen Leute, aber die Ergebnisse waren völlig verschieden.

Das Problem liegt nicht in der Art von Menschen, die unsere Regierungsinstitutionen leiten im Vergleich zu jenen, die unsere privaten Institutionen leiten. Der Fehler, wie die Marxisten zu sagen pflegten, liegt im System. Das System ist schuld.

Der Unterschied liegt darin, dass den privaten Interessen von Leuten unterschiedlich in den privaten und staatlichen Sphären gedient wird. Betrachten wir das Entscheidende, mit dem sie sich konfrontiert sehen.

Hier ist ein Projekt, das einmal vorgeschlagen werden könnte, von jemanden im privaten Sektor oder von jemanden in der Regierungssphäre, es erscheint in beiden Fällen gleichermaßen vielversprechend. Doch alle guten Ideen sind Vermutungen; sie sind Experimente. Die meisten davon werden scheitern. Was passiert? Nehmen wir an, eine private Gruppe hat das Projekt durchgeführt. Nehmen wir an, es beginnt, ein Verlust zu werden. Der einzige Weg, wie sie es am Laufen halten können, ist in die eigene Tasche zu greifen. Sie müssen die Kosten tragen. Dieses Unternehmen wird nicht lange bestehen; die Leute werden es dichtmachen. Sie werden dann etwas anderes machen.

Nehmen wir an, die Regierung führt das gleiche Projekt durch und die ersten Erfahrungen damit sind die selben: Es beginnt, ein Verlust zu werden. Was passiert? Die Regierungsbeamten könnten es dichtmachen, aber sie haben eine ganz andere Alternative. Mit den besten Absichten können sie glauben, dass der einzige Grund, warum es nicht gut lief, der war, weil man das Projekt nicht in einem ausreichend großen Maßstab eingeführt hat. Sie müssen nicht in ihre eigenen Taschen greifen, um eine Expansion zu finanzieren. Sie können in die Taschen der Steuerzahler greifen.

In der Tat, die Finanzierung einer Expansion wird ihnen ermöglichen, ihre lukrativen Jobs zu behalten. Alles, was sie tun müssen, ist den Steuerzahler zu überreden, oder die Gesetzgeber, die über den Geldbeutel bestimmen, dass ihr Projekt ein gutes ist. Und sie sind meistens in der Lage, das zu tun, weil wiederum die Leute, die für die Expansion stimmen, nicht mit ihrem eigenen Geld stimmen. Sie geben das Geld von jemand anderem aus. Und niemand gibt das Geld von jemand anderem so vorsichtig aus wie sein eigenes.

Das Endergebnis ist, dass wenn ein privates Unternehmen scheitert, es zugesperrt wird. Wenn ein Regierungsunternehmen scheitert, dann wird es vergrößert. Ist das nicht genau das gleiche, was mit den Drogen passiert? Mit dem Schulsystem? Mit der medizinischen Versorgung?

Wir alle wissen um die Verschlechterung in den Schulen Bescheid. Aber seid ihr euch bewusst, dass wir heute pro Schüler durchschnittlich 3x soviel ausgeben als vor 30 Jahren, bereinigt um die Inflation? Es existiert eine allgemeine Regel in der Regierung und in bürokratischen Unternehmen: Je mehr man hineingibt, desto weniger bekommt man heraus.

Als diese sozialisierten Unternehmen ihre Reichweite erweiterten, wurde es für die Öffentlichkeit immer schwieriger sie zu kontrollieren. Das ist das fundamentale Problem, das wir bei den Drogen sehen. Wie können wir die berechtigten Interessen der Regierung dazu bringen, ihre Politik zu ändern?

Wie wir alle bereits herausgefunden haben, ist dies keine einfache Aufgabe. Die Leute, die das Drogen-Programm leiten haben viel mehr Ressourcen als wir. Sie können die Aufmerksamkeit der Medien steuern um Reformen und Außerkraftsetzung der Prohibition als nicht anständig erscheinen zu lassen, als nicht zumutbar. Schließlich werden sie immer und immer wieder sagen, dass die Leute, die die Legalisierung von Drogen fordern, einfach nur ignorant oder naiv sind oder nicht verstehen, was los ist. Wir, werden sie sagen, sind die Experten und wissen, was funktioniert und was nicht.

Eine Möglichkeit, die wirksam bei der Beseitigung oder Reduzierung von schlechten Regierungsprogrammen ist, ist private Konkurrenz. Die Post war mal genauso ineffizient bei der Zustellung von Paketen wie bei der Zustellung von Briefpost. Aber weil die Statuten der Post ihr ein Monopol nur für die Briefpost zugesteht, war UPS in der Lage, ihr das Geschäft wegzunehmen. Dann kamen Federal Express und ähnliche Unternehmen und nahmen ihr viel vom Briefpost-Geschäft weg, und Ersatz für Briefe haben sich entwickelt, wie das Fax.

Der gleiche Prozess ist bei den Drogen im Gange. Aber leider ist private Konkurrenz keine effektive Lösung, solange die Regierung einige Drogen komplett verbietet – so wie die Briefpost immer noch ein staatliches Monopol ist, weil es illegal für private Unternehmen ist, ähnliche Übertragungsdienste anzubieten. In solchen Bereichen müssen wir das Gesetz ändern.

Meine These kann in zwei Hauptpunkten ausgedrückt werden, und hier will ich Schluss machen und mich euren Fragen widmen. Erstens, täuscht euch nicht, wenn ihr denkt, dass Lösungen tatsächlich funktionieren, die einfach nur die Art ändern, wie der politische Mechanismus angewendet wird. Sie werden nicht den Mängeln entkommen, die typisch für den politischen Mechanismus sind, ganz gleich, wo er angewendet wird.

Lasst mich betonen, ich folge dem Prinzip der Willensfreiheit und bin für eine eingeschränkte Regierung, ich bin kein libertärer Anarchist, obwohl ich große Sympathie für anarchistische Libertäre habe, einschließlich der Tatsache, dass mein Sohn einer ist. Allerdings ist die Rolle, die ich für die Regierung will, beschränkt auf Landesverteidigung, die Schaffung von Recht und Ordnung, sie soll uns helfen, die Regeln, nach denen wir tätig sind, zu bestimmen und über Streitigkeiten urteilen. Das ist eine sehr begrenzte Anzahl von Aufgaben.

Ein wichtiger Kostenpunkt der breiteren Ausdehnung der Regierungstätigkeit ist, dass es die Regierung daran hindert, jene Dinge gut zu erledigen, von denen ich glaube, dass es die einzigen sind, die sie effektiv tun kann. Wenn Leute über die unschuldigen Opfer des Kriegs gegen Drogen sprechen, dann vergessen sie sehr oft jene Personen, die beraubt, bestohlen und ermordet werden – nicht weil sie ins Kreuzfeuer von Drogenkriegen gelangen, nicht, weil sie Opfer von Süchtigen sind, die versuchen, ihre Sucht zu finanzieren, sondern einfach weil so große Ressourcen der Strafverfolgungsbehörden dafür aufgewendet werden, um zu versuchen die Drogen zu kontrollieren, sodass nicht genug Ressourcen übrigbleiben, um Diebstahl, Raubüberfälle usw in der Gemeinschaft insgesamt zu verhindern.

Die zweite Lektion, von der ich glaube, dass wir sie lernen sollten, und es ist wahrscheinlich die wichtigere Lektion, ist, dass wir wahrscheinlich mehr Fortschritte im Kampf gegen Drogen machen, wenn wir erkennen, dass die Aufhebung der Drogenprohibition Teil eines umfassenderen Problems der Senkung des Umfangs der Macht der Regierung und der Wiederherstellung der Macht durch das Volk ist. Wenn wir Drogenprohibition als isoliertes Beispiel betrachten, wird vielleicht der Versuch sie aufzuheben erfolgreich sein, so wie es der Versuch der Aufhebung der Alkoholprohibition in den 1920er Jahren war. Aber ich glaube, dass unsere Erfolgschancen größer wären, wenn wir erkennen, dass der Fehler des Kriegs gegen Drogen Teil eines viel umfassenderen Problems ist, dass der Grund, den Krieg gegen Drogen zu beenden ebenfalls der Grund ist, die Sozialisierung in der Medizin zu beenden, die Sozialisierung in Schulen, und so weiter auf der Liste.

Fragen & Antworten

Arnold S. Trebach: Ich habe eine zweiteilige Frage, eine grundlegende und eine, die ich ein wenig abgeändert habe. Sollte jede produzierte Ware dem freien Markt unterliegen?

Und der zweite Teil der Frage war, wenn ich auf Adam Smith zurückblicke und einmal, mit großer Vorahnung, las ich das Buch, ich denke, Adam Smith akzeptierte die Idee einer, wie sie sagen, begrenzten Rolle der Regierung, einschließlich der Verwaltung von Gerechtigkeit und ich denke der Begriff war „die gemeinsame Verteidigung“. Viele Drogenkrieger würden behaupten, dass wegen der einzigartigen Natur der Drogen, sie richtigerweise in die Verwaltung von Gerechtigkeit und die gemeinsame Verteidigung passen.

Professor Friedman: Zum ersten Teil der Frage, ich glaube, dass es ein Argument gibt, um bestimmte Dinge aus dem Markt rauszuhalten. Ich glaube, dass es nicht wünschenswert ist, einen Markt für Atombomben zu haben. Aber die Anzahl und die Liste an Dingen, für die man wirklich ein Verbot rechtfertigen kann, ist sehr begrenzt. Und die einzige Rechtfertigung ist immer in Bezug auf die Existenz von unschuldigen Opfern, nicht in Bezug auf paternalistischen Sorgen.

Der Haupteffekt der Drogenprohibition ist, die Zahl der unschuldigen Opfer zu vermehren, nicht, sie zu reduzieren. Deshalb denke ich nicht, dass irgendeine allgemeine Regel, die sie haben könnten, dass manche Produkte, wie Atombomben, Wasserstoffbomben und ein paar von diesen Dingen nicht auf dem Markt gehandelt werden sollten, auch für den Fall von Drogen gilt.

Zur zweiten Frage, ich glaube nicht, wenn Adam Smith heute hier wäre, dass er ihrer Auslegung seiner scharfen Kritik zustimmen würde. Der Grund, warum das Verbot von Drogen kein Fall für die Justizverwaltung ist, ist weil der Drogenkonsument, egal ob er klug oder dumm ist, in erster Linie sich selbst schadet. Es gibt einen Fall, etwas zu tun, wenn der Drogenkonsument anderen Leuten schadet, und das tun wir. Für Alkohol ist es sehr einfach. Die Person, die eindeutig betrunken mit dem Auto fährt, sollte strafrechtlich verfolgt werden. Es ist der Akt des Fahrens, während man betrunken ist, nicht der Akt des Trinkens, für den er strafrechtlich verfolgt werden sollte. Wenn nun Menschen unter dem Einfluss von Drogen ähnliche Dinge tun, dann sollten diese Handlungen strafrechtlich verfolgt werden, nicht die Einnahme von Drogen.

Ich habe immer dargelegt, dass es zwei Argumente gegen die Drogenprohibition gibt. Eines ist die Grundsatzfrage: Dass die Menschen für sich selbst verantwortlich sein sollen und es nicht Sache der Regierung ist, einem zu sagen, was man einnehmen darf. Ich bin sicher, dass dies das Argument ist, dass sie sehr effektiv von Dr. Szasz gehört haben.

Das andere ist die Frage der Zweckmäßigkeit. Vergessen sie für einen Moment das Argument der Grundsatzfrage. Richten sie mehr Schaden damit an, als es Nutzen hat? Die Beweise, dass sie es tun, scheinen mir so überwältigend, dass es Menschen anspricht, die ihnen nicht wegen der Grundsatzfrage folgen werden. Ich gebe ihnen ein paar Beispiele.

Meine grundsätzliche Einstellung zur Drogenprohibition entwickelte sich zunächst aus der Grundsatzfrage. Mein guter Freund Bill Buckley war zunächst für die Drogenprohibition. Tatsächlich schrieb mein Sohn David einmal einen Artikel, in dem er Bills Ansichten über das Verbot unter dem Titel „Ist Bill Buckley eine übertragbare Krankheit?“ angriff. Bill argumentierte zugunsten der Drogenprohibition mit der Begründung, dass ein Drogenkonsument seine Sucht auf andere überträgt, und sie somit infiziert. David sagte in seinem Artikel, dass Bills Ideen andere infizieren. Um das auf eine extreme Ebene zu bringen – ich glaube nicht, dass das Davids Beispiel war; es ist meines – Das Kapital von Karl Marx hat sicherlich mehr Menschen umgebracht, als jemals durch Alkohol, Tabak und sogenannte illegale Drogen zusammen umgekommen sind. Aber unser Prinzip der Redefreiheit besagt, dass die Menschen die Freiheit haben sollen, um Karl Marx zu lesen. Und das meinte David mit seinem „Ist Bill Buckley eine übertragbare Krankheit?“

Nun, Bill ist umgekehrt und er ist jetzt ein sehr starker Befürworter der Drogenlegalisierung, nicht wegen der Grundsatzfrage, sondern aus Gründen der Zweckmäßigkeit, aus dem Grund, dass die Bemühungen verblassen und beendet werden sollten.

Ich glaube nicht, dass es irgendeine Art und Weise gibt, wo man sagen kann, dass das Verbot von Drogen Gerechtigkeit bringt. Gerechtigkeit für wen? Ist es Gerechtigkeit für die Leute aus Kolumbien, die ermordet werden, weil wir unsere eigenen Gesetze nicht durchsetzen können? Das ist kaum Gerechtigkeit.

Trebach: Das habe ich nicht gesagt. Ich habe mich gefragt, ob es Adam Smith sagen würde. Ich weiß, wie sie darüber denken…

Friedman: [Gleichzeitig] Ich weiß. Nein, ich glaube nicht, dass es Adam Smith sagen würde. Adam Smith war ein sehr großer Mann, ein sehr kluger Mann.

Trebach: Diese Frage besagt, sie haben Pinochet unterstützt oder beraten.

Friedman: Ich habe Pinochet nie beraten. Ich habe ihn nie unterstützt.

Trebach: Ok, dann lassen wir das.

Friedman: Aber halt. Nein, ich will der Frage nicht ausweichen.

Trebach: Alles klar.

Friedman: Chile war ein Fall, wo ein militärisches Regime, angeführt von Pinochet, bereit dazu war, die Organisation der Wirtschaft von einem Top-Down zu einem Bottom-Up Modell zu wechseln. Bei diesem Verfahren spielte eine Gruppe von Leuten, die von der Chicago-Universität aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften kamen, die später die Chicago-Boys genannt wurden, eine große Rolle bei der Gestaltung und Umsetzung der wirtschaftlichen Reformen. Das eigentliche Wunder in Chile war nicht, dass diese Wirtschaftsreformen so gut funktioniert haben, denn das ist, was Adam Smith gesagt hatte, dass sie es tun würden. Chile ist ohne Zweifel die beste wirtschaftliche Erfolgsgeschichte in Lateinamerika heute.

Das eigentlich Wunder ist, dass eine Militärjunta bereit war, sie es tun zu lassen. Wie ich schon zu Beginn sagte, ist das Prinzip des Militärs von oben nach unten. Das Prinzip eines Marktes ist von unten nach oben. Es ist wirklich ein Wunder, dass eine militärische Gruppe bereit war, einen Bottom-Up-Ansatz zu übernehmen. Ich habe eine Reise nach Chile gemacht und ich habe Vorträge in Chile gehalten. Tatsächlich habe ich mich mit Mr. Pinochet getroffen, aber ich war zu keiner Zeit sein Berater und ich habe nie auch nur einen Penny von der chilenischen Regierung bekommen. Aber ich möchte sagen, dass dieser Prozess zu einer Situation geführt hat, in der man in der Lage war, Wahlen abzuhalten, die die Militärjunta beendeten. Jetzt haben wir eine demokratische Regierung in Chile. Es gibt noch kein ähnliches Beispiel aus der Welt der ganzen sozialistischen Staaten.

Also, ich war kein Berater von Pinochet. Ich war kein Berater der chilenischen Regierung, aber ich bin mehr als bereit den Verdienst für die außerordentliche Arbeit zu teilen, die unsere Studenten dort unten vollbracht haben.

Trebach: Ich glaube, dass sie ein Anhänger von Ronald Reagan waren.

Friedman: Das bin ich noch immer, aber nicht von allem, was er getan hat.

Trebach: Okay. Die wirkliche Frage ist – wie ich sage, ich habe diese zusammen gruppiert – Wie denken sie über den Drogenkrieg? Ich glaube, dass ich die Antwort kenne, oder dass wir die Antwort kennen.

Friedman: Die Antwort ist klar. Ich glaube, dass der Drogenkrieg ein Fehler war. Es gibt zwei Bereiche, von denen ich glaube, dass sie die Reagan-Regierung sehr schlecht durchgeführt hat. Einer war der Drogenkrieg und der andere war der Außenhandel. Beim Außenhandel legte er leider den Grundstein, was zu einem protektionistischen Antrieb und zu einer Bewegung wurde, indem den sogenannten freiwilligen Importraten für japanische Autos zugestimmt wurde. Das war ein großer Fehler, der gegen all seine aufgestellten Grundsätze ging.

Ich habe das schon mal vor einem republikanischen Klub von Studenten in Stanford gesagt, ich bin libertär mit einem kleinen „l“ und ein Republikaner mit einem großen „R“. Und ich bin Republikaner mit einem großen „R“ aus Gründen der Zweckmäßigkeit, nicht grundsätzlich. Ich glaube, dass ich mehr gutes tun kann, wenn ich Einfluss in der republikanischen Partei habe, als wenn ich diesen Einfluss in der libertären Partei hätte. Obwohl ich große Sympathien für die libertäre Partei hege. Ich glaube, dass es sehr wünschenswert ist, wenn es ihr gut geht.

Ronald Reagan war ein Mann mit Prinzipien. Er ist der erste Präsident in meinem Leben, der gewählt wurde, weil sich die Leute darauf geeinigt haben, ihm zuzustimmen, und nicht, weil er sich die Umfragen angesehen hatte und das gesagt hat, was die Leute gerne hören wollen. Er hat genau das gleiche im Jahr 1980 gesagt, als er nominiert wurde, was er im Jahr 1964 gesagt hatte, als er Mr. Goldwater unterstützte. Was sich verändert hat, war nicht, was er gesagt hat, sondern was die Öffentlichkeit glaubt. Sein grundlegendes Prinzip – dass die Regierung zu groß ist, dass die Regierung ein Problem ist – ist korrekt. Leider war der Krieg gegen Drogen unvereinbar mit diesem Grundprinzip, und er hätte nicht davon abweichen sollen, indem er den Krieg gegen Drogen unterstützte.

Ich möchte ihnen auch sagen, dass ich nicht zögern würde, das Ronald Reagan zu sagen. Wissen sie, die Leute haben falsche Vorstellungen über Mr. Reagan. Sie glauben, dass er irgendwie nur das hört, was er hören will, aber das stimmt nicht.

Trebach: Es gibt mehrere Fragen in diese Richtung. Im Hinblick auf die objektive Positionierung der Vereinigten Staaten unterhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bei jedem denkbaren Standard, haben die europäischen Länder – gemessen an der Lebensqualität und dass jedes Land im Europäischen Wirtschaftsraum sozialistisch ist, wie können sie für einen Laissez-faire-Kapitalismus sein, oder hier heißt es Raubritter – Räuber-Bandit, der Kapitalismus des freien Marktes, sie wissen schon, für ein besseres Leben für die Amerikaner?

Friedman: Ich verstehe es. Nun, ich bin erfreut, dass sie einige Sozialisten in dieser Organisation haben.

Trebach: Wir haben ein paar.

Friedman: Wenn ich mit ihnen über Drogenlegalisierung spreche, spreche ich mit den konvertierten. Aber wenn ich mit ihnen über Sozialismus spreche, dann spreche ich nicht mit einem konvertierten, also bin ich nützlicher.

Erstens stimme ich mit der Tatsachenbehauptung in dieser Bemerkung nicht überein. Ich stimme nicht zu, dass die Länder im Europäischen Wirtschaftsraum im Allgemeinen eine bessere Lebensqualität haben. Der typische Unterschied zwischen den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums und den Vereinigten Staaten ist, dass die Vereinigten Staaten ein Land mit viel größerer Vielfalt ist und die meisten EWG-Länder haben relativ homogene Bevölkerungen. In fast allen Fällen sind die paar Einwanderer, die sie haben, ein gewichtiger Grund für Probleme. Man wird keinen Türken in Deutschland oder Marokkaner in Frankreich finden, der mit der Ansicht übereinstimmt, dass das Leben in den EWG-Ländern besser als in den Vereinigten Staaten ist, während wir hier in den Vereinigten Staaten ein viel größere Vielfalt haben und viel offener zu Menschen sind und diese willkommen heißen.

Zweitens, wenn man den Sozialismus messen will, der Unterschied des Grades des Sozialismus in jenen Ländern und in diesem ist gar nicht so groß. Der Hauptunterschied ist, dass diese Länder, jedenfalls manche davon, mehr staatliche Unternehmen haben. Das ist der Hauptunterschied. Unser einziges staatliches Unternehmen ist die Post. Auf der anderen Seite hat unsere Regierung ihren Einflussbereich in erheblichen Maße in erster Linie durch Regulation, Regeln und restriktive Maßnahmen vergrößert. Und in diesem Fall, weit mehr als die meisten europäischen Länder.

Bei einer Sache, die sehr eng mit dem Drogenproblem zusammenhängt, unsere Nahrungs-und-Medizin-Verwaltung (Food and Drug Administration) ist ein sehr viel restriktiveres und sozialistischeres Unternehmen, als es ihre Kollegen in England oder in anderen Ländern sind, was von der Medizin-Verzögerung bewiesen wird. Im Allgemeinen dauert es viel länger, um eine Medizin in den Vereinigten Staaten zuzulassen, als es in Großbritannien, Kanada oder Deutschland dauert. Tatsächlich gibt es noch einen anderen Fall, wo etwas, was den Menschen eigentlich helfen soll, weit mehr Menschen umbringt, als dass es ihnen hilft, nämlich unsere Food and Drug Administration, bei der ich für die Abschaffung bin.

Also, ich bin nicht damit einverstanden, dass diese Länder viel sozialistischer sind. Was ich denke, ist eine ganz andere Sache, und ich werde dafür wieder zurück zu Adam Smith gehen.

Trebach: Gute Idee.

Friedman: Als Cornwallis in Yorktown beim Unabhängigkeitskrieg besiegt wurde, kam ein junger Mann zu Adam Smith und sagte, dass dies die Zerstörung von Großbritannien sei. Adam Smith antwortete: „Junger Mann, es gibt eine Menge Zerstörung in jeder Nation.“

Nun, was will ich damit sagen? Ich meine, dass wir in Wirklichkeit den höchsten Lebensstandard von allen Ländern auf der ganzen Welt besitzen.

Aus dem Publikum: Für die wenigen.

Friedman: Nicht für die wenigen, für die vielen. Ich bitte um Entschuldigung. Wir haben eine gleichmäßigere Verteilung der Einkommen, im Allgemeinen, als die meisten Länder, von denen wir gerade gesprochen haben. Die Verteilung von Einkommen … [Aus dem Publikum kommen unhörbare Aussagen.] Es tut mir leid, ich habe das meiste nicht gehört.

Trebach: Entschuldigen sie. Hätten sie was dagegen, ihre Fragen nach oben zu schicken? Das Mikrofon kriegt es nicht mit, als bitte beruhigt euch.

Friedman: Jemand rief „Für die wenigen, nicht für die vielen.“ Es stimmt, dass es wenige gibt, die ein enorm hohes Einkommen haben. Zu viele von ihnen. Aber Fakt ist, wenn ich über die Lebensqualität spreche, dann spreche ich von der Lebensqualität der großen Mehrheit dieses Landes. Es gibt Ungleichheit beim Einkommen in jedem Land. Diese Ungleichheiten sind weit größer in sozialistischen Ländern als in kapitalistischen Ländern. Wenn man den Lebensstandard der Leute an der Spitze mit dem von den Leuten von ganz unten vergleicht, dann ist der Unterschied in Ländern wie zum Beispiel der Sowjetunion vor dem Zusammenbruch viel größer, als er hier in den Vereinigten Staaten ist.

Die Frage der Einkommensverteilung ist ein sehr wichtiges und ernstes Thema und ist es wert, darüber zu sprechen. Ich meine nicht, dass sie das nicht ist. Aber ich glaube, dass die Aussage, die ich gemacht habe, für die große Masse der amerikanischen Bevölkerung korrekt ist.

Der Beweis ist einfach. Wie wählen die Menschen am besten? Mit ihren Füßen. Wohin versuchen die Menschen auszuwandern? Manche Leute wollen wirklich in die europäischen Länder auswandern. Vor allem Menschen aus den vormals kommunistischen Ländern versuchen, in die weniger sozialistischen Länder in Westeuropa zu gelangen. Aber was die Vereinigten Staaten angeht, die Leute aus der ganzen Welt versuchen, hier einzuwandern. Sie kommen nicht her, damit es ihnen elend geht. Sie kommen nicht her, damit sie ausgebeutet werden. Und man kann nicht sagen, dass das alle Narren sind; sie wissen, worauf sie sich einlassen. Also, ich weise die Idee ab, dass dies ein Land ist, in dem nur ein paar auf dem Rücken der Massen stehen, was ein Standardargument der Marxisten ist. Nun, ich bin froh zu sehen, dass auch ein paar Nicht-Sozialisten hier sind.

Trebach: Es ist sehr klar, ganz einfach wegen dem Applaus, dass die Drug Policy Foundation ein sehr breites Spektrum von Meinungen zu allen Arten von Dingen anzieht.

Friedman: Und das sollte sie auch tun.

Trebach: Vielen Dank. Dies kann auch die letzte Frage sein, Sir. Es gab schon ein paar ähnliche. Mit Blick auf die Zukunft, in einem Markt aus Einzelhandelsumsätzen, von wieder legalisierten Drogen, was denken sie über die Vorschläge, die gemacht wurden, wie man diese Reformen modelliert? Zum Beispiel hat eines unserer Vorstandsmitglieder, Lester Grinspoon aus Harvard, eine Schädlichkeits-Steuer vorgeschlagen, basierend auf der relativen Schädlichkeit der Drogen. Senator Galiber aus dem New York State Senate, der hier ist, hat einen Gesetzesentwurf vorgeschlagen, der alle illegalen Drogen – alle von ihnen – legal verfügbar machen, jedoch wie Alkohol regulieren würde. Sie haben sich genau an das Alkohol-Modell gehalten. Zum Beispiel, man kann die Droge bekommen, wenn man erwachsen ist; man kann keine Verkaufsshops neben Schulen haben, usw. Welche Gedanken haben sie für die Zukunft.

Friedman: Es gibt überhaupt keine Chance in der nahen oder fernen Zukunft, um das zu bekommen, was ich wirklich haben will, und das ist ein freier Markt. Als einen ersten Schritt auf dem richtigen Weg, glaube ich, dass es das richtige wäre, wenn man die jetzigen illegalen Drogen wie Alkohol oder Tabak behandeln würde. Nicht, weil das der beste Weg ist, nicht, weil das die ideale Maßnahme ist, sondern weil es eine Maßnahme ist, die die Menschen schon kennen, die jetzt schon existiert. Sie beinhaltet auf gewisse Weise die geringste Veränderung, also scheint mir das Gesetz von Senator Galiber, das sie beschrieben haben, auf dem richtigen Weg zu sein – der richtige Weg im Sinne eines praktischen Kompromisses, nicht als das ultimative Prinzip.

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